Zielgruppen in ländlichen Regionen
Die hier aufgeführten Inhalte, Tipps und Erfahrungen sind im Rahmen des Netzwerkprojektes Landen auf dem Lande zusammengetragen worden.
Inhaltsverzeichnis
Veranstaltungen im ländlichen Raum erfolgreich bewerben
Konzepte des Globalen Lernens, die in urbanem Zusammenhang entwickelt und gedacht wurden, lassen sich oftmals nicht ohne weiteres auf den ländlichen Raum übertragen. Dazu kommt, dass in den Städten lebende und arbeitende Menschen häufig nur wenig über die konkrete Lebensrealität und sozialen Strukturen in ländlichen Räumen wissen. Eine häufige Motivation vieler Akteure Bildungsprojekte auf dem Land durchzuführen ist der Gedanke, damit „etwas Gutes zu tun“. Oftmals wird der ländliche Raum mit seinen Strukturen jedoch aus einer Defizit-Perspektive betrachtet, d.h. das was nicht vorhanden ist, anstatt was es an Strukturen gibt. Häufig entsteht dabei das Gefühl, nicht zu wissen, wie und wo man überhaupt anknüpfen kann. In einem erfahrungsbasiertem Austausch wurden anhand der folgenden Leitfragen mögliche Herangehensweisen diskutiert, wie Projekte erfolgreich beworben und durchgeführt werden können.
- Leitfragen:
- Was für Strukturen gibt es und wie können wir diese nutzen?
- Wie können wir unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen unsere Konzepte und Veranstaltungen auch im ländlichen Raum erfolgreich bewerben?
Strukturen auf dem Land
Netzwerke und Strukturen
- im Allgemeinen gibt es eine konstante Gruppenzusammensetzung. Diese sind zumeist selbstorganisiert.
- Ortsvorsteher*innen
- Gemeinderat und -verwaltung
- Kirchengemeinden
- Freiwillige Feuerwehr
- Fußballvereine
- Landfrauen
- Dorf- und Kulturvereine/-initiativen
- Hofläden, Gastwirtschaften
Soziokultur und soziale Praxis
- Gelegenheiten zum Austausch sind jederzeit und überall gegeben
- Die Menschen tragen unmittelbar Verantwortung für eigene Umgebung
- Kooperationspartner sind umsichtiger
- Vertrauensbasierte Zusammenarbeit, Zusammenarbeit zielt auf Langfristigkeit ab
- Ich bekomme schnell Aufmerksamkeit.
- Die Menschen stehen für ein „Thema“, gesetzte Impulse tragen langfristig reiche Früchte
- selbstverständliche Nachbarschaftshilfe, starker Solidaritätsgedanke
- Große Beziehungsgeflechte: Alle kennen eine Person, die…
Es gilt die speziellen Rahmenbedingungen erforschen und nutzen. Jede lokale Welt ist einzigartig!
Anknüpfungspunkte nutzen
Wie können diese Rahmenbedingungen genutzt werden, um Veranstaltungen zu bewerben?
- Vernetzte Personen identifizieren! Den Ort kennenlernen, eventuell persönlich vorbeischauen und sich mit den Strukturen vor Ort vertraut machen
- Sich Zeit nehmen/den richtigen Zeitpunkt finden: persönliche Beziehungsarbeit ist eventuell wichtiger als in der Stadt!
- Augenhöhe: Arbeite mit dem, was du vorfindest, ohne es zu bewerten!
- Nicht vermuten, sondern zuhören und erleben (sich mit der Region vertraut machen und Strukturen kennen lernen)
- Bei der Akquise hat sich oftmals bewährt: „Mundproganda“, persönliche Kontakte nutzen, weniger mailen viel telefonieren
- Empfinden von Selbstwirksamkeit ermöglichen
Weitere Tipps:
- offene Treffen/Veranstaltungen besuchen, Flyer verteilen, Telefonakquise (nach dem Motto "viel hilft viel!")
- Bei Gesprächen mit Personen: möglichst konkretes und ansprechende Angebot zur Hand haben: z.B. Flyer, Projektbeschreibung (könnte auf die Person sonst evtl.unseriös wirken), sollte auf Nachfrage direkt vorliegen können
- Fachsprache übersetzen, positive Narrative nutzen
- In erster Linie Fachreferent:in sein, d.h. gezielte Unterstützung bieten, jedoch auch Unterstützer:innen suchen und Kooperationen eingehen
- Langfristigkeit und Verstetigung: "sich selbst überflüssig" machen, d.h. vor Ort Akteur:innen zusammenbringen, dass Arbeit ohne einen selbst weitergehen kann
Mögliche Fallstricke
- Menschen stecken in verschiedenen Rollen (Überschneidung von privaten, beruflichen und ehrenamtlichen Rollen und Verantwortlichkeiten/Zuständigkeiten)
- Potenzial: über eine Person viele Themen ansprechen, da diese häufig in weiteren Beziehungsflechten steckt
- private Kontakte können evtl. beruflich genutzt werden, erleichterte Kommunikationswege
- Dilemma: berufliche, ehrenamtliche und private Interessen können kollidieren (möglicherweise können Personen, obwohl sie im Privaten davon überzeugt sind, etwas im Beruflichen nicht unterstützen)
- Potenzial: über eine Person viele Themen ansprechen, da diese häufig in weiteren Beziehungsflechten steckt
- Sichtbarkeit und politische Engagement kann die eigene Familie/das Umfeld womöglich in „schwierige“ Situationen bringen
- wichtig ist Kooperation auf Augenhöhe, d.h. zuhören, verstehen und respektieren !nicht belehren wollen!
- (unbewusste) überhebliche Einstellung der Referent:in gegenüber Menschen/Leben auf dem Lande
- Ehrliche Reflexion der eigenen Haltung:
- Warum gehe ich überhaupt "auf‘s Land"?
- Weil ich denke, ich bin in guten Absichten unterwegs? Wenn ja, was sind diese Absichten?
- Bringe ich etwas mit, was den Leuten etwas „bringt“? Was könnte das sein?
- Gehe ich "aufs Land" aufgrund der Fördermittel/Förderaufrufs? …
- Ehrliche Reflexion der eigenen Haltung:
- Bedingt durch Fördermittellogik, etc. haben Vereine häufig feste Projektstrukturen
- reflektieren, ob diese so passen → möglichst ergebnisoffen vorgehen um Frustration zu vermeiden
Fazit
- Anknüpfungspunkte und Strukturen sind vorhanden→ Basis für langfristige und nachwirkende Projekte/Veränderungen
- sich mit Strukturen vor Ort vertraut machen
- Verstetigung möglich machen
- Personen suchen, die in Strukturen eingebunden sind
- Begegnung auf Augenhöhe ist wichtig
Netzwerke und weiterführende Beratung
- Ansprechpartner, Verbände, Akteure, ...
- Eine Welt-Landesnetzwerke
- Eine-Welt-Promotor:innen
- f.in.e+p (Forum für internationale Entwicklung und Planung)
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